… ist der, der irgendwie stattfindet. Ganz egal wie, Hauptsache er findet statt. 

Doch fangen wir in Ruhe von vorn an. 

Ich hab mal gehört, der Hochzeitstanz war ursprünglich ein Walzer. Ein Tanz, der es Liebenden in steifen Zeiten vor Spotify und Rock ´n’ Roll erlaubt, sich in der Öffentlichkeit anzufassen, zu lieben und in gemeinsamer körperlicher Berührung Spass zu haben. Halleluja! Glücklicherweise brauchen wir den Walzer bzw. den gesamten Brauch des Hochzeitstanzes heute dafür nicht mehr. 

Also weglassen den ganzen Kram? Meinetwegen. 

Ich bin grundsätzlich ein großer Freund davon auf Hochzeiten vor allem die Dinge zu tun, auf die man Lust hat und die einem bewusst Freude schenken. Für die meisten ist das nicht unbedingt der Hochzeitstanz. Wie oft sehe ich Braut und Bräutigam mit Schweiß auf der Stirn einen Kurzen nach dem anderen Trinken, um sich seelisch auf den Moment des Tanzes vorbereiten. Kein schöner Anblick ehrlich gesagt. Sie haben keine Lust drauf und haben sich aber selbst für diesen Moment entschieden. Das ist schon ziemlich paradox. In diesem Falle sollte man eigentlich sagen: lieber nicht machen, einfach weglassen. 

Und trotzdem: der Hochzeitstanz erfüllt eine ganz wichtige Funktion, weshalb man das Ganze noch mal überdenken sollte. Er ist das Verbindungsglied vom gemütlichen Essen, draußen Stehen und Rauchen, entspannt ein paar Drinks an der Bar schlürfen und hier und da mal von Tisch zu Tisch gehen und alte Freunde abklappern zu dem belebten Partyteil am Abend, zu Stunden herzlicher Ekstase zwischen Schlager, 90er Euro-Dance und Chart Hits. Der Hochzeitstanz bringt die Leute vom Tisch zur Tanzfläche, verwandelt potentielle Energie in Kinetische, er eröffnet offiziell die Tanzsaison des Abends. 

Vergessen wir also den Walzer, denn wir dürfen uns sowie in aller Öffentlichkeit anfassen, lieben und durch die Gegend hüpfen. Denken wir aber an unsere Party und die mangelnde Stimmung, wenn einfach so nebenbei in einer Ecke die Lautsprecher lauter gedreht werden und außer ein paar tanzenden Hippies das niemanden interessiert. Lasst uns einen Hochzeitstanz machen, der kein Hochzeitstanz ist, lasst uns einen Hochzeitstanz machen, der die Leute zum Tanzen bringt. Macht eine Polonaise, macht eine Choreo zu DJ Bobo, schunkelt gemütlich Arm und Arm und bittet alle mit einzusteigen – ganz egal was ihr tut, Hauptsache ihr tut irgendwas. 

Vielleicht mögt ihr auch Walzer und hattet bisher Probleme, euch in der Öffentlichkeit zusammen zu zeigen, dann ist vielleicht auch das alte Modell für euch wunderbar und passend. Das ist ja das tolle an einer modernen liberalen Gesellschaft: man darf konservativ sein, man muss es aber nicht.  

Wenn es nicht ein dummer Media Markt Werbeslogan wäre, würde ich sagen: Hauptsache ihr habt Spaß (und tanzt). Frohes Heiraten!